Kenilworth Castle, Warwickshire

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    • Kenilworth Castle, Warwickshire




      Kenilworth Castle liegt im gleichnamigen Ort in der Grafschaft Warwickshire. An der heutigen Palastruine wurde vor der Normann- bis zur Tudorzeit gebaut. Die Burg war Schauplatz der wohl längsten Belagerung in England, der französischen Beleidigung Henry V. und der Ort der wohl teuersten Brautwerbung der englischen Geschichte.


      English Heritage Webseite

      Parken kostenlos

      Eintritt £10,70


      Wir parken auf dem Brays Carpark im Süden, der sich am Ort der einstigen Vorburg befindet, von der der nichts mehr außer den Grundmauern im Boden erhalten ist. Auch der Torturm ist schon lange im Malstrom der Zeit verschwunden. Dort steht nun das Kassenhäuschen.


      Kenilworth entstand wohl auch aus der typischen normannischen Motte, also Erdhügel mit Holzpalisade drum herum, aber nichts genaues weis man nicht. Der heutige steinerne normannische Burgturm aus den 1120er aus schönen roten Steinen, stammt von Geoffrey de Clinton, dem Oberkammerherr von Henry I. Ob das Verwandtschaft von Bill und Hillary ist? Die Mauern des Turms sind FÜNF Meter dick, und der Turm ist 30 Meter hoch.


      In der Zeit der Anarchie unter Henry II. fiel Kenilworth dann an die Krone zurück, zu der Zeit bestand die Burg aus Turm und Ringmauer.

















      Erst 100 Jahre später, zwischen 1210 und 1216, wurde wieder an der Burg gebaut. John Lackland erbaute die heutige noch vorhandene Ringmauer mit den Türmen, die Vorburg sowie den heutigen noch vorhandenen Zugangsdamm, dem Tiltyard. Dieser staute zwei Bäche auf und das Great Mere entstand, ein 100 Hektar großer See. Auch auf der anderen Seite des Damms war ein kleiner See, so das die Burg von drei Seiten von Wasser umgeben war. Eine der größten Burgen der damaligen Zeit war entstanden. Als Teil der Garantie für die Magna Charta Libertatum war John gezwungen die Burg an seine Gegner unter den Baronen abzugeben, erst sein Sohn Henry III. hatte dann wieder Kontrolle über die Burg.



      Henry gab sie Simon de Montford, Earl of Leicester, als Lehen, der sie dann im zweiten Aufstand der Barone als seine zentrale Operationsbasis benutzte. Dumm gelaufen. :ohje: Henrys Sohn Edward wurde hier als Geisel gefangen gehalten. Nach seiner Freilassung 1264 schlug Edward Montford in der Schlacht von Evesham. Monfords Sohn versprach die Burg zu übergeben. Als dies nach 5 Monaten immer noch nicht geschehen war, begann Henry am 21. Juni 1266 die längste Belagerung der englischen Geschichte. Durch die päpstliche Einmischung wurde ein Kompromiss ausgehandelt, die Burg soll übergeben werden und die Rebellen dürfen ihr konfisziertes Land zurück kaufen. Damit endete die Belagerung am 14. Dezember 1266.
      Na da lohnt sich doch eine Belagerung, wenn das die Portokasse Kriegskasse wieder auffüllt.
      In der Folgezeit beeinflussten die Wasserhindernisse von Kenilworth den Bau späterer Burgen in Wales, allen voran Caerphilly Castle.



      Kenilworth ging daraufhin an Henrys Sohn Edward, der den Tiltyard, also den Brückendamm, als Turnierplatz verwendete. Der Name ist eine Anlehnung an eine in der Artussage genannte Veranstaltung. So maßen sich z.B. 1279 100 Ritter über 3 Tage miteinander.



      Tiltyard



      Tiltyard und Ruine des Mortimers Tower





      Überspringen wir die nächsten 100 Jahre und kommen zu John of Gaunt, dem dritten Sohn Edwards III.
      John heirate erst Blanche von Lancaster wodurch Blanche John damit zum zweitreichsten Mann Englands machte, neben den König selbst. Nach Blanches Tod heiratete John dann Konstanze von Kastilien. Da Konstanze Anspruch auf den Thron von Kastilien hatte, nannte sich John fortan König von Kastilien und Kenilworth mutierte zur Palastfestung.





      Zwischen 1373 und 1380 wurde die Burg dem königlichen Anspruch entsprechend umgebaut. Der vorhandene Rittersaal wurde zum Großen Rittersaal umgebaut, es entstand die zu seiner Zeit größte Halle ohne tragende Säulen. Ferner entstanden die Staatsgemächer, zwei neue Türme und der neue Küchenkomplex.







      links die Staatsgemächer, rechts The Great Hall



































      Johns Sohn wurde dann auch König. Nicht von Kastilien, er bestieg als Henry V. den Thron von England. ;) Zahlreiche Burgen und Königsschlösser wurden im 15. Jh. dem Verfall preisgegeben, da unmodern, unkomfortabel und militärisch obsolet. Kenilworth blieb jedoch ein bevorzugter Aufenthaltsort. Henry V. war gerne hier. Weniger in der Burg, aber in einem Lustschlösschen, Pleasance genannt, auf der anderen Seite des Sees. Die Franzosen verspotteten Henry für seinen Lebensstil und schenkten ihm Tennisbälle. Tja dumm gelaufen, diesmal für die Franzosen, denn dieses Geschenk spornte Henry an, den Agincourt Feldzug 1415 zu starten. In der Folge ging die französische Krone an Henry V., und die nächsten 400 Jahre war die französische Linie Bestandteil des königlichen Wappens. Kann mir jemand bitte Tennisbälle schenken? ;)



      Erst Heinrich VII. legte dann nach der Schlacht von Bosworth, die die Rosenkriege beendete, wirklich einen Tennisplatz an. Sein Sohn Henry No. 8 lies dann das Lustschlösschen abreißen und schenkte Kenilworth 1553 John Dudley. Er schaffte es noch die neuen Stallgebäude zu errichten, bevor ihm Mary, die katholische Tochter Henry VIII., hinrichten lies.






      Mary starb und ihre Schwester Elisabeth I., die protestantische Tochter von Henry VIII. mit Anne Boleyn, bestieg den Thron. 1563 gab sie Kenilworth an John Dudleys Sohn zurück, Robert Dudley, Earl of Leicester.



      Robert blieb Zeit seines Lebens Favorit der Königin, ganz platonisch. Elisabeth würde nie heiraten, sie sei ja schon mit England verheiratet, sagte sie mal. Oder vielleicht doch? Sie benutzte die Karte "Spätere Heirat nicht ausgeschlossen" Zeit ihres Lebens, wechselnde Liebschaften wie die Könige konnte sie sich nicht leisten. Sie schlief mit ihrem Zofen in einem Zimmer, immer, so das nicht einmal der Hauch eines diesbezüglichen Verdachts aufkommen konnte.
      Bei allen Heiratsverhandlung, mal mit Spanien, mal mit Frankreich, grad wie es die Politik im Chor der Mächte erforderte, blieb Dudley jedoch der Favorit.



      Er lies nichts unversucht Elisabeth doch noch umzustimmen. So baute er Kenilworth zu einem Renaissance-Palast um. Elisabeth bestaunte die Baustelle 1572, aber die volle Wirkung von Dudleys Bemühungen stellten sich erst nach der Fertigstellung 1575 heraus. Elisabeth blieb samt ihrem Gefolge aus 31 Baronen ungewöhnlich lange, nämlich 19 Tage, was Dudley ein Vermögen kostete. Alles vergebens, Elisabeth entschied sich nicht Dudley zu heiraten.


      Das so genannte Leicester Building war eine Spiegelung des Clinton Towers, des normannischen Burgturms, allerdings lichtdurchflutet mit den großen Fenstern. Im oberen Stockwerk lagen die Gemächer für Elisabeth. English Heritage hat das Gebäude wieder begehbar gemacht. Im Vergleich zum Clinton Tower wirkt es fast filigran.

















      Als Dudley 1588 hochverschuldet starb, ging Kenilworth erst an seinen Bruder Ambrose von Warwick Castle, und nach dessen Tod an seinen unehelichen Sohn Robert Dudley. Dieser verkaufte es später an Charles I., Kenilworth gehörte damit wieder der Krone. Im englischen Bürgerkrieg fiel Kenilworth kampflos in die Hände der Parlamentarier, das änderte jedoch nichts an ihrem Schicksal. Das Parlament lies die Burg dokumentieren und anschließend schleifen, also in die heutige Ruine verwandeln. Der Oberst, der für die Zerstörung verantwortlich war, machte Leicesters Torhaus, zu seinem neuen Wohnhaus und aus dem Palast wurde ein Bauernhof mit Ruine. Charles II. bestieg den Thron und der Oberst wurde vertrieben. Charles verlieh die Burg an Sir Edward Hyde und machte ihn zum Grafen Clarendon. Die Burg blieb Bauernhof und im Besitz der Familie Clarendon, bis es der Familie 1937 zu kostspielig wurde, die Ruine zu unterhalten. Sie verkaufte sie an einen Industriellen dessen Sohn sie 1958 der Stadt Kenilworth überschrieb und seit 1984 wird Kenilworth nun von English Heritage verwaltet.
      Für 2 Millionen Pfund wurde der Versuch unternommen die Ziergärten der elisabethanischen Epoche wieder auferstehen zu lassen und 2008 wurden Pläne bekannt, das Great Mere wiederherzustellen. Das einzige was bis jetzt plätschert, ist allerdings der Verdauungstrakt der Kühe die dort auf den Wiesen weiden.

      Mit einem Blick von oben vom Clinton Tower auf die Gärten und einem kurzen Blick auf Leicesters Torhaus, verabschieden wir uns von Kenilworth Castle.












      Gruß
      Ulrich

      Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.


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