Dover Castle, Kent, UK

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    • Dover Castle, Kent, UK

      Dover Castle ist eine mittelalterliche Burg in Dover, Kent. Sie wurde im 11. Jh. von Henry II. erbaut und ist die größte Burg Englands.

      Fährt man vom Fährhafen kommend über die A10 Richtung Folkstone und Dover Beach und biegt in einem Kreisverkehr rechts in die Union Street ab, dann bekommt man diesen Blick auf Dover Castle.





      Dover Castle ist eine der wenigen Burgen, wo man mit dem Auto hinein fahren kann, der Besucherparkplatz ist nämlich innerhalb der Burgmauern. Durch das Canon’s Gate fährt man hinein und folgt der Ausschilderung zum Parkplatz. Erst dort ist das Kassenhäuschen mit den modernen Örtlichkeiten.
      Ohne English Heritage Overseas Visitor Passs kosten der Eintritt pro Person £18.00! :EEK: Nur mit dem Besuch von Dover Castle macht sich also fast schon der Heritage Pass bezahlt.

      Dover Castle auf English Heritage

      Auf dem Weg zur eigentlichen Burg Heinrichs II. kommt man an dieser Aussicht vorbei, Dover. Hier der Strand und der Kreuzfahrerhafen.


      Canon’s Gate und Dover




      Rechts führt der Weg zur Burg, links zu Wartime Tunnels. Von dort bietet sich sich dem Besucher diese Aussicht über den Kanal hinweg nach Frankreich


      Unten rechts die Statue von Admiral Bertram Ramsay


      und den Dovers Fährhafen.



      Ganz schön was los auf dem Wasser und bei guter Sicht ist die französische Küste deutlich zu erkennen.

      Hier ist auch der Zugang zu den Wartime Tunnels. Zur Zeit der napoleonischen Kriege baute man 15 Meter unter den Klippen Tunnel. Sie dienten als unterirdische Kasernen für 2000 Mann. In die seit 1826 ungenutzten Tunnel, wurde zu Beginn des II. Weltkriegs ein Lazarett und ein militärisches Kommandozentrum eingebaut, das man besichtigen kann. Soviel Zeit haben wir aber nicht.

      Auf dem Weg zur Kernburg kommt man unweigerlich am Burgrestaurant vorbei.



      Neben Speis und Trank findet man dort auch ein Geschenk an die Tochter Henry VIII.



      Sie nennt sich Queen Elizabeths Westentasche Pistole und ist ein Geschenk von Heinrichs Freund Maximilian von Egmont an Heinrichs Tochter Elizabeth, der späteren Königin. Egmont war u.a. Graf von Büren, Leerdam und Lingen, sowie General der damals spanischen Niederlande und einer der besten Feldherren seiner Zeit.

      Das „kleine“ Kannöchen wurde 1544 in Utrecht gegossen und ist 24 ft. lang! Die Propaganda seiner Zeit behauptete, sie könne eine 6 Kilo Kugel 7 Meilen weit schießen. Andere behaupten, sie könne gar bis nach Frankreich schießen. Tests in 1970 ergaben eine Reichweite von ca. 1200 Yards mit einer 4,5 kg Kugel. :gg:



      Sie war keine Zierkanone, sie wurde tatsächlich auch benutzt, nämlich im Englischen Bürgerkrieg bei diversen Belagerungen, sowohl auf Seite der Royalisten, als auch der Parlamentarier.

      Durch das Colton’s Gate betritt man die Vorburg.





      Der weniger imposante Hintereingang zur Kernburg, davor der „Shuttlebus“ für weniger mobile Besucher oder Fußfaule.





      Rechts außerhalb des Bildes stand die einstige Burg der Angelsachsen, die die Normannen nach der Eroberung niederbrannten. Anschließend erbauten die Normannen, wie in Pevensey, eine neue Burg. Das war zu dem Zeitpunkt noch eine Palisadenmauer aus Holz. Die vorgefertigten Stämme hatte man aus der Normandie mitgebracht. Unter Henry II. entstand dann im Wesentlichen die heutige Burganlage und der große rechteckige Klotz von Wohnturm. Einer der letzten seiner Art. Hinter den bis zu 6,50 Meter dicken Wänden befinden sich im Grunde nur 6 große Räume!

      Bitte eintreten! Nach durchschreiten des kleinen Tors mit Zugbrücke



      befindet man sich im Inneren der Kernburg aus dem 11. Jh. und vor uns ragt der mächtige Keep auf.








      Diese Gebäude an der inneren Burgmauern wurde erst im 18.Jh. und später gebaut.



      In ihnen ist heute u.a. das Museum des The Princess of Wales's Royal Regiment untergebracht. Es hat den aktuellen Namen zu Ehren von Princess Diana erhalten. Das 1. Battalion davon ist in Paderborn stationiert.





      Am interessantesten darin ist das Model des Keeps.



      In den Keep gelangt man durch diesen Eingang.





      Neben dem Treppenaufgang befinden sich in dem Vorbau 2 Kapellen, die im oberen Stockwerk ist Thomas Becket geweiht. Seinerzeit Erzbischof von Canterbury und ein Freund von Henry II.

      In der Frage um die gerichtliche Zuständigkeit krimineller Kleriker, ob sie vor einem weltlichen oder einem Kirchengericht gestellt werden sollten, entfachte sich ein Streit zwischen den Beiden. In einem seiner berühmten Wutanfälle, die hat er wohl von seinem Großvater William geerbt, soll Henry gesagt haben: „will no-one rid me of this troublesome priest ?“. Das nahmen vier seiner Ritter wörtlich und ermordeten Becket 1170 in seiner Kathedrale von Canterbury. Ohne diesen Mord und die unmittelbar danach einsetzenden Pilgerströme zu seinem Grab in Canterbury, Becket wurde 1173 heilig gesprochen, wäre Dover Castle 1180 nie erbaut worden. Militärisch von fragwürdigen Nutzen, signalisierte der monumentale Bau den ankommenden Pilger in Dover die Tatsache, dass der Reichtum und die Macht des Königs, der im weitesten Sinne Beteiligte an diesen Mord, durch diesen Mord nicht geschmälert wurde.

      Ein breite Treppe führt direkt hinauf in die die Große Halle im 1. Stock und den Thronsaal im 2. Stock, ein Symbol dafür, dass die Besucher zum König emporsteigen müssen.



      Im Verlauf der Treppe befand sich zudem innerhalb der Burg noch eine Zugbrücke. Sie ist heute durch eine Holztreppe ersetzt, was die Wirkung auf die Besucher dennoch nicht schmälert.



      Zuerst ein kurzer Blick in die Küche, die sich im Erdgeschoß befindet,



      bevor man weiter die Treppe zur Großen Halle emporsteigt.



      Alle Räume sind eingerichtet in dem Stil der Zeit von Henry II. Auch die offenen Kamine sind in Betrieb. Der Rauch der dadurch in den Räumen herrscht, verstärkt noch dieses historische Flair.

      Neben der Großen Halle, ist im Wesentlichen nur ein weiterer Raum im 1. Stock, das Gästezimmer.







      Über eine Wendeltreppe im südwestlichen Eckturm gelangt man in die königlichen Gemächer.









      Die ursprüngliche Holzdecke wurde im 18. Jh. durch eine steinernes Gewölbe ersetzt, damit auf dem Dach des Keeps Kanonen aufgestellt werden konnten.



      In der Außenmauer befindet sich die königliche Kleider- und Schatzkammer.






      Die Möbel waren damals in der Tat so farbenfroh, das hat man sich nicht heutigentags so ausgedacht.







      Da der Thronsaal von einer Schulklasse belagert ist, die ihn abzeichnen muß,



      gehen wir erst einmal weiter zum Brunnen



      und danach weiter aufs Dach.



      Schaut man vom Dach nach Süden, erblickt man die angelsächsische Kirche direkt neben dem römischen Leuchtturm



      und das Colton’s Gate, durch das man vom Parkplatz heraufgekommen ist.





      Die nordwestliche Ecke der Burg, mit dem Crevecoeur und Norfolk Towers und die V-förmigen Bastion, zu der nach der Großen Belagerung durch die Franzosen 1216 unterirdische Tunnel gegraben wurden. Noch heute gibt es dort in den Wällen Reste der Tunnel, die die Franzosen gruben um sie mit Pulver gefüllt zur Explosion brachten, um dadurch die darüber befindlichen Mauer zum Einsturz zu bringen.

      Die Franzosen waren keine ungebetenen Gäste, kamen sie doch auf „Einladung“ einiger englischer Barone ins Land.
      Eine Gruppe englischer Barone rebellierte gegen den damaligen König John Lackland (Johann Ohneland). Der tyrannische John hatte die englischen Herzogtümer in Frankreich in erfolglosen Kriegen verloren und regelmäßig das Schildgeld erhöht. Das Schildgeld war eine Art Steuer, mit der man sich vom Wehrdienst frei kaufen konnte. Durch weitere Sondersteuern trieb John einige Barone in den Ruin. Unter dem Druck der rebellierenden Adeligen, musste der König 1215 auf dem Feld von Rannymede die Magna Carta anerkennen. Die Magna Carta ist die wichtigste Quelle des englischen Verfassungsrechts und räumte den Adel verbriefte politische Freiheiten ein. Sie bestätigt die Freiheit der Kirche, begründet das Budgetrecht des Parlaments, die Einberufung eines Parlaments überhaupt, welches Steuererhöhung zustimmen musste und das kein freier Mann verhaftet werden darf, seiner Güter beraubt oder angegriffen werden, ohne ein Gerichtsurteil seinesgleichen. Letzteres traf zwar zuerst nur auf wenige zu, wie den Adel, da ein Großteil der Bevölkerung damals noch Leibeigene waren.

      Mit Unterstützung des Papstes setze sich John dann über die Magna Carta hinweg und es kam zur offenen Revolte. Die aufständischen Barone wollten einen Sohn des französischen Königs als neuen englischen König einsetzen. 1216 starb John Lackland, Henry III. wurde sein Nachfolger, erkannte die Magna Carta wieder an, worauf die Mehrzahl der aufständischen Barone Henry III. die Treue schworen. Mit der Niederlage vor Dover Castle zogen dann auch die Franzosen wieder ab.





      Draußen auf dem Kanal, reist die Line der Fährschiffe nicht ab,





      es macht den Eindruck, als wollten sie in die Burg fahren. :gg:









      Wieder unten im Thronsaal ist die Schulklasse abgezogen und der Krönung steht nichts mehr im Wege. :gg:











      Verlassen wir nun den Wohnturm und damit die Kernburg,





      und wenden uns nach dem Tor nach links der Angelsächsischen Kirche zu.



      Die Kirche steht auf dem höchsten Punkt der Burganlage, der Ort der ursprünglichen angelsächsischen Burg. Die Kirche St Mary in Castro geht auf das 600 Jh. zurück, das heutige Aussehen ist ehr ihre viktorianische Interpretation. Mangelnder Unterhalt lies die Kirche 1801 teilweise einstürzen. 1860 erfolgte die viktorianische Renovierung. Sie ist das größte Gebäude angelsächsischen Ursprungs in Kent.



      Die Turmruine daneben ist nicht der alte Kirchenturm, sondern die Ruine eines römischen Leuchtturms. Das Gegenstück auf der anderen Seite von Dover in den Western Hights existiert nur noch in seinen Grundmauern. Der Turm aus dem Jahr 43 nach Christus zählt zu den besterhaltenen römischen Leuchttürmen Europas.



      Inzwischen hat die Erde ihren Lauf um die Sonne soweit fortgesetzt, das, jedenfalls im Frühsommer, die Sonne auf die Mauern des Barbakan fällt, das Torhaus mit dem Kings Gate. Es ist 16:30 Uhr. Ein Barbakan ist ein mit Wehrgängen umschlossener Hof, am besten so wie hier mit kurvigen Zugang, denn das Tor ist der Schwachpunkt einer jeden Burg.





      Hier befindet sich auch der Zugang in die mittelalterlichen Tunnel und der V-förmigen Schanze, die nach der frz. Belagerung von 1216 erbaut wurden. Sollte man sich nicht entgehen lassen, ist eine nette Kraxelei.





      Hinter der äüßeren Ringmauer entlang,



      erreicht man wieder den Parkplatz. Lt. GPS haben ca. 8 km im Castle zurück gelegt.

      Verlässt man Dover über die A358 kommt man bei GPS 51.134252, 1.323704 an der Einmündung eines Feldweges vorbei, von wo aus man die Nordseite von Dover Castle gut sehen kann.



      Gruß
      Ulrich

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